Dem regionalen Handwerk fehlen Lehrlinge

Ausbildungsinitiative zieht Bilanz

Meppen. Mit der Ausbildungsinitiative „Zukunft regionales Handwerk“ beschäftigt sich die Meppener Kreishandwerkerschaft seit 2012. Nun haben die Verantwortlichen eine Zwischenbilanz gezogen und dabei auf die aktuelle Lehrstellensituation hingewiesen.

Durch Werbung, Ausbildungsbegleitung und Schritte zur Verbesserung der Lage auf dem Lehrstellenmarkt will die Kreishandwerkerschaft das Image des Handwerks aufpolieren und langfristig qualifizierten Nachwuchs sichern. Dazu wurden beim Start des Projekts vor fünf Jahren unterschiedliche Aktivitäten gestartet.

„Gut, dass wir es auf den Weg gebracht haben“, sagt Harald Hüsers. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft zieht ein zufriedenes Fazit. Mithilfe der Initiative habe man die Zahl der Auszubildenden mindestens halten können. Nicht in allen Regionen sei das dem Handwerk möglich gewesen. Auch die Innungen würdigten dies, so Hüsers.

Den Start machten 2012 drei Sparten, nämlich Sanitär, Heizung, Klima (SHK), Kfz und Metallbau. Mittlerweile sind fünf weitere Innungen hinzugekommen, darunter Bau, Maler und Tischler.

Ein wichtiger Baustein der Ausbildungsbegleitung sind die Vertiefungslehrgänge vor den Gesellenprüfungen. Auch der berufsbezogene Mathematikunterricht gehört dazu. Beides zeige Wirkung, sagt Michael Einhaus, Geschäftsführer des Bildungswerks des Meppener Handwerks. Deutlich weniger Auszubildende rasseln demnach durch die Prüfungen. „Im Bereich SHK hatten wir früher eine Durchfallquote von fast 50 Prozent, zuletzt waren es nur noch 15 Prozent.“

Im April startet die Kreishandwerkerschaft wieder ihre Lehrstellenbörse, bei der in Schulen auf Ausbildungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Sparten hingewiesen wird. Aus Sicht des Handwerks ist das nicht zuletzt mit Blick auf das am 1. August beginnende neue Lehrjahr dringend nötig. Laut Andrea Herrmann von der Kreishandwerkerschaft sind zu diesem Stichtag derzeit 190 Lehrstellen im mittleren Emsland unbesetzt, darunter allein 51 in der Sparte SHK. Auch der Metallbau ist stark betroffen: Die 55 Innungsbetriebe zwischen Twist und Herzlake weisen 32 freie Stellen auf.
 
Das liegt einerseits in der guten Auftragslage der Betriebe: „Einen Konjunkturindex von 94 von 100 wie jetzt gab es noch nie“, sagt Hüsers. Andererseits mache sich der Trend zur höheren Schulbildung bemerkbar. Viele Schüler strebten Fachabitur oder Abitur an, statt direkt eine gewerblich-technische Ausbildung zu absolvieren. Dabei eröffneten sich auch auf diesem Weg gute Karrierechancen, etwa durch ergänzende Ausbildungen zum Meister und geprüften Betriebswirt.

Als Nächstes will die Initiative das E-Learning verstärken: Mithilfe von Computerprogrammen sollen die Azubis eine „effektive Lernbegleitung“ erhalten und Nachweise über ihren Lernfortschritt erhalten, erläutert Hüsers. Das Konzept dahinter sieht vor, Präsenzzeiten in der Werkstatt zugunsten von Bildschirmarbeit zu senken.
Schließlich steht auch eine intensivierte Nachwuchswerbung mittels sozialer Medien auf der Aufgabenliste. Nachdem die Facebook-Seite des Gesamtprojekts nicht den erhofften Zuspruch erhalten hat, liegt der Fokus nun auf den entsprechenden Seiten der jeweiligen Innungen.

 

Zogen ein zwischenzeitliches Fazit des Projekts "Zukunft regionales Handwerk": Harald Hüsers, Andrea Herrmann und Michael Einhaus.

Foto: Tim Gallandi